Neue Praxisadresse: Goethestraße 34 | 60313 Frankfurt

OP-Plastische-Chirurgie-Frankfurt

Die krankhafte Fettverteilungsstörung Lipödem tritt ausschließlich bei Frauen auf. Sie ist durch eine deutliche Disproportion zwischen Stamm und Extremitäten – meist zwischen einem schlanken Oberkörper und sehr voluminösen Beinen, manchmal aber auch Armen – gekennzeichnet. Die atypischen Fettdepots an den Beinen können vom Beckenkamm bis zu den Sprunggelenken reichen. Umgangssprachliche Bezeichnungen für das Lipödem sind „Säulenbeine“, „Reiterhosen“, „Reiterhosensyndrom“ oder „Reiterhosenfettsucht“. Betroffene tragen Hosen, die häufig mehrere Nummern größer sind als ihre Blusen. 

Das Lipödem tritt am häufigsten zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auf, typischerweise kurz nach der Pubertät oder nach einer Schwangerschaft. Schlanke und normalgewichtige Frauen sind ebenso häufig betroffen wie übergewichtige. Bis die Erkrankung, von der nach Schätzungen in Deutschland bis zu einer Million Frauen betroffen sind, diagnostiziert wird, vergehen meist einige Jahre. Oft wird es als Übergewicht oder Adipositas lange Zeit fehlgedeutet. Es ist jedoch wichtig, ein Lipödem rechtzeitig zu erkennen, damit die richtige Behandlung beginnen kann.

Lipödem – eine krankhafte Fettverteilungsstörung

Das Lipödem ist eine jahrtausendealte Krankheit und war bereits im Alten Ägypten bekannt. Am Hatschepsut-Tempel ist die Königin von Punt mit charakteristischen Fettfalten dargestellt, einem unverkennbaren Anzeichen der krankhaften Fettverteilungsstörung.

Die Medien haben inzwischen das Lipödem in weiten Kreisen der Bevölkerung bekanntgemacht. Den Betroffenen fehlt aber oft ein solides Wissen über ihre Erkrankung, weil nur wenige kompetente ärztliche Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Auch fast 80 Jahre nach der Erstbeschreibung der Krankheit durch Allen und Hines haben viele Ärzte mit der Diagnose eines Lipödems Schwierigkeiten.

Dies ist umso gravierender, als es beim Lipödem um eine Erkrankung geht, die behandelt werden muss und für viele Betroffene zudem häufig eine schwerwiegende psychische Belastung darstellt. Das Selbstwertgefühl leidet, vor allem, solange die medizinische Diagnose nicht bekannt ist. Unzutreffend und stigmatisierend wird ein Lipödem im Umfeld der Betroffenen oft als ein ernährungsbedingtes Konturproblem angesehen, dem man mit Disziplin zu Leibe rücken kann – ein Trugschluss!

Aufbau von Fettgewebe

Das Fettgewebe besteht aus einem lockeren Gerüst aus Bindegewebsfasern, in dem die Fettzellen, medizinisch Adipozyten genannt, eingelagert sind. Die wichtigste Funktion einer Fettzelle ist es, sowohl Energie in Form von Triglyzeriden als auch Wasser zu speichern und bei Bedarf wieder freizugeben. Die Zahl der Fettzellen nimmt im Kindes- und Jugendalter ständig zu. Nach der Pubertät bleibt sie dann lebenslang konstant. Jedes Jahr wird ein Zehntel der Fettzellen vom Körper abgebaut und durch neue Fettzellen ersetzt. Auch das Fett in den Zellen unterliegt einem ständigen Austausch. Durch Diäten kann zwar das im Fettgewebe gespeicherte Fett abgebaut werden, nicht jedoch das Fettgewebe selbst.

Die Fettverteilung variiert je nach Geschlecht, Alter und ethnischer Herkunft. Frauen haben im Vergleich zu Männern einen höheren totalen Fettanteil und eine „gynoide Fettverteilung“, das heißt, das Fett sammelt sich vornehmlich an Hüften, Po, Oberschenkeln und Oberarmen. Für Männer ist das „androide Fettverteilungsmuster“ charakteristisch, also die Fettvermehrung an Bauch und Taille.

Ursachen für ein Lipödem

Die genauen Ursachen für das Lipödem sind wissenschaftlich noch nicht geklärt. Ob es sich feingeweblich um Vergrößerung oder Vermehrung der Fettzellen oder eine Kombination aus beidem handelt, ist unklar. Auf jeden Fall nimmt die Gewebeflüssigkeit im Bindegewebe zu. Das Lymphsystem wird dadurch allmählich überlastet, weshalb zunehmend Flüssigkeit im Gewebe eingelagert wird. Zusätzlich verändert sich das unmittelbar unter der Haut gelegene Geflecht aus Kapillaren und Nerven, was wiederum die Schmerzen bei Druck und die erhöhte Neigung zu blauen Flecken erklärt.

Hormonelle Veränderung

Betroffen sind fast ausschließlich Frauen. Für die unkontrollierte Vergrößerung der Fettzellen spielen offensichtlich Veränderungen der weiblichen Geschlechtshormone, wie in der Pubertät, der Schwangerschaft und den Wechseljahren oder durch die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel, eine Rolle. Dabei sind die Umstellungen entscheidend, nicht die Hormone selbst.

Die krankhafte Fettvermehrung kann sich aber auch im Zusammenhang mit einer gynäkologischen Operation wie die Entfernung von Gebärmutter, Eierstöcken oder Eileitern entwickeln bzw. verschlimmern.

Aufgrund all dieser Feststellungen wird eine hormonelle Ursache dieser Krankheit vermutet. Wenn in sehr seltenen Einzelfällen eine Lipödem-ähnliche Fettverteilungsstörung bei einem Mann festgestellt wurde, stand diese im Zusammenhang mit einer Hormontherapie oder Hormonstörung.

Genetische Veranlagung

Darüber hinaus scheint die Disposition zu einem Lipödem vererbbar zu sein, da eine familiäre Häufung des Lipödems nachgewiesen wurde: Oft sind zwei oder mehr weibliche Mitglieder einer Familie von einem Lipödem betroffen.

Die Gesamtzahl der in Kindheit und Jugend angelegten Fettzellen bleibt, wie bereits erwähnt, ein Leben lang konstant, die Größe ist hingegen variabel. Nach dem Ende der Pubertät kommt es im Regelfall nicht mehr zu einer Zellvermehrung, sondern nur noch zu einem Größenwachstum der Fettzellen. Im Vergleich zu gesunden Frauen haben Lipödem-Betroffene jedoch angeboren mehr Fettzellen im Bereich der Beine und Arme. Diese krankheitstypische Vermehrung des Unterhautfettgewebes bei einem Lipödem ist bis heute nicht vollständig erforscht.

Entzündliche Prozesse

Bei wissenschaftlichen Untersuchungen wurden zudem vermehrt Entzündungszellen und deren Botenstoffe als Ausdruck eines entzündlichen Geschehens im Lipödem-Gewebe gefunden. Dies erklärt möglicherweise die erhöhte Durchlässigkeit der Blutkapillaren in den betroffenen Bereichen. Dadurch gelangt vermehrt Flüssigkeit aus dem Gefäßsystem ins umliegende Gewebe. Wenn diese Flüssigkeitsansammlungen nicht mehr ausreichend abtransportiert werden können, bilden sich Ödeme.

Symptome eines Lipödems

Charakteristisch für die chronische Erkrankung ist eine Vermehrung des Unterhautfettgewebes, die immer symmetrisch und nicht nur an den Beinen, sondern häufig auch an den Armen auftritt. Hände und Füße bleiben unbeeinträchtigt, ebenso wie der Rumpf. Von einem Lipödem Betroffene neigen dazu, vermehrt Gewebsflüssigkeit ins Fettgewebe einzulagern, was zur Bildung sogenannter Ödeme führt. Dies verursacht im deutlichen Unterschied zum normalen Übergewicht oder zu rein ästhetisch störenden Fettpolstern ein unangenehmes Spannungsgefühl in den betroffenen Regionen und ist oft schon bei leichtem Druck oder sogar einfachen Berührungen mit Schmerzen verbunden.

Beim Lipödem handelt es sich um eine fortschreitende Krankheit, das heißt, Befund und Beschwerden nehmen bei vielen Patientinnen mit der Zeit zu. Da die Erkrankung keine Folge von Übergewicht ist, bleiben sportliche Aktivitäten und Gewichtsabnahme allein weitestgehend erfolglos – Sie können damit allenfalls die Zunahme des Lipödems verzögern. Mehr darüber, wie sich ein Lipödem behandeln lässt, können Sie auf unserer Überblicksseite Lipödem Behandlung und auf unserer Infoseite über die Lipödem OP als einzige effektive und nachhaltige Therapie nachlesen.

Ernährung und Körpergewicht können die Erkrankung verschlimmern, auf deren Entstehung haben sie aber keinen größeren Einfluss. Das zeigt sich daran, dass auch bei normalgewichtigen oder schlanken Personen ein Lipödem auftreten kann.

Andere Bezeichnungen oder ähnliche Krankheitsbilder

Häufig werden die folgenden Begriffe synonym verwendet: Lipomatosis dolorosa, Lipohypertrophia dolorosa, Adipositas dolorosa, Lipalgie, Adiposalgie, schmerzhaftes Säulenbein, schmerzhaftes Lipödemsyndrom, Lipohyperplasia dolorosa. Ob sie tatsächlich dasselbe Krankheitsbild beschreiben, ist wissenschaftlich umstritten.

Während das Lipödem klar als chronische, meist schmerzhafte und symmetrische Fettverteilungsstörung mit typischerweise betroffenen Beinen (seltener Armen) anerkannt ist, gibt es zu den oben genannten Begriffen verschiedene Sichtweisen:

  • Lipomatosis dolorosa wird häufig als übergeordneter Begriff für schmerzhafte Fettgewebsvermehrungen verwendet, zu denen auch das Lipödem zählt. Teilweise wird damit aber auch das seltener vorkommende Dercum-Syndrom bezeichnet, das neben Schmerzen und Fettgewebevermehrung weitere Symptome wie Müdigkeit oder neurologische Beschwerden aufweisen kann.
  • Adipositas dolorosa und Lipalgie/Adiposalgie bezeichnen allgemein Schmerzen im Zusammenhang mit einer Fettgewebsvermehrung, ohne dass eine eindeutige Zuordnung zu einer spezifischen Erkrankung wie dem Lipödem vorliegt. Sie werden daher oft unspezifisch genutzt und können auf verschiedene Fettverteilungsstörungen zutreffen.
  • Lipohypertrophia dolorosa und Lipohyperplasia dolorosa beschreiben im Wesentlichen dasselbe Phänomen wie das Lipödem: eine schmerzhafte Zunahme des Unterhautfettgewebes. Sie werden jedoch seltener verwendet und sind meist Synonyme für das Lipödem.
  • „Schmerzhaftes Säulenbein“ ist eine umgangssprachliche Bezeichnung, die meist ein fortgeschrittenes Stadium des Lipödems beschreibt, bei dem die Beine zylindrisch verdickt sind.

Die Abgrenzung zwischen Lipödem und anderen Fettverteilungsstörungen wie Adipositas oder Lipohypertrophie ist in der Praxis nicht immer einfach. Entscheidend für die Lipödem Diagnose sind die typischen Symptome (symmetrische Fettverteilungsstörung, Schmerzen, Neigung zu Ödemen, fehlende Beteiligung von Händen und Füßen) sowie der Verlauf der Erkrankung. Andere Begriffe werden je nach ärztlicher Fachrichtung und Land unterschiedlich eingeordnet und sind oftmals Ergebnis historischer Entwicklungen der medizinischen Nomenklatur.

Eine exakte Unterscheidung der Krankheitsbilder ist wichtig, um eine zielgerichtete Therapie einzuleiten und Fehldiagnosen zu vermeiden.

FAQs

Was bedeutet der Fachbegriff „Lipödem“?

Der medizinische Fachbegriff „Lipödem“ geht auf das altgriechische Wort „lípos“ für Fett und „oídēma“ für Schwellung zurück. Es gibt inzwischen Fachleute, die diese medizinische Bezeichnung als unzutreffend kritisieren, da im Anfangsstadium nur eine Fettvermehrung und keine Ödemerkrankung vorliegt.

Wie unterscheidet sich die krankhafte Fettverteilungsstörung Lipödem von der Lipohypertrophie, die keinen Krankheitswert hat?

Lipödem und Lipohypertrophie ähneln sich in der Fettverteilungsstörung an den Beinen. Bei der Lipohypertrophie entstehen aber keine Ödeme im Gewebe, und daher treten hier gewöhnlich keine Druck- und Spontanschmerzen auf. Die Lipohypertrophie kann aber zu einem Lipödem mit Beschwerden führen.

Wie unterscheidet sich ein Lipödem von Übergewicht?

Eine „reine“ Übergewichtigkeit oder Adipositas tut nicht weh. Hier zeigt sich die Fettvermehrung eher gleichmäßig, weniger als Missverhältnis zwischen dem Rumpf und der unteren Körperhälfte. Adipositas und Lipödem können aber als Mischform nebeneinander vorliegen, und das Übergewicht verstärkt das Lipödem.

Worin liegt der Unterschied zwischen Lipödem und Lymphödem?

Lipödem und Lymphödem sind in ihrer Symptomatik ähnlich. Ein wesentliches Anzeichen für das Vorliegen eines Lymphödems sind angeschwollene Zehen und ein positiver Stemmer-Test. Dies bedeutet, dass sich die Haut auf prall geschwollenen Zehen nicht anheben lässt.

Vereinbaren Sie hier Ihr
persönliches Beratungsgespräch

Unsere Fachärzte haben unterschiedliche Behandlungsschwerpunkte. Wenn Sie sich in unserer Praxis beraten lassen möchten, führen Sie Ihr Gespräch mit dem spezialisierten Facharzt, der ggf. auch Ihre Operation durchführen würde. Bitte nennen Sie uns daher Ihr Anliegen.


Detaillierte Informationen zum Umgang mit Ihren Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

dr. burkhard dippe im beratungsgespräch

Das könnte Sie auch interessieren