Für ein Lipödem charakteristisch ist eine symmetrische Volumenzunahme an Beinen und eventuell auch Armen, wobei der Oberkörper meist schlanker bleibt. Die betroffenen Körperpartien reagieren empfindlich auf Druck oder Berührung und können bereits bei leichtem Kneifen oder Stoßen schmerzen. Typisch sind Disproportionen zwischen Ober- und Unterkörper sowie Schwierigkeiten, das Fettgewebe durch Diäten abzubauen. Viele betroffene Frauen berichten außerdem über dumpfe Schmerzen in den Beinen und eine erhöhte Neigung zu blauen Flecken. Die Haut fühlt sich häufig uneben an.
Sollten Sie mehrere der genannten Anzeichen bei sich feststellen, empfiehlt sich eine ärztliche Abklärung, um die Diagnose zu sichern. Für eine fundierte Diagnostik empfehlen wir Ihnen, eine Fachärztin oder einen Facharzt für Phlebologie, Angiologie oder Lymphologie zu konsultieren. Dort erhalten Sie gegebenenfalls auch entsprechende Therapieempfehlungen. In unserer Praxis in Frankfurt beraten unsere spezialisierten Fachärzte Sie gern umfassend über eine mögliche operative Therapie Ihrer Fettverteilungsstörung, die sie jährlich rund 200-mal durchführen.
Selbst ein Lipödem erkennen
Es gibt für ein Lipödem Anzeichen, die Sie selbst erkennen können. Die nachfolgenden Anzeichen ersetzen aber keinesfalls eine ärztliche Untersuchung:
- Das Lipödem tritt immer symmetrisch an beiden Beinen auf und kann auch das Gesäß umfassen. Darüber hinaus sind in vielen Fällen zusätzlich die Arme betroffen, aber niemals die Füße oder Hände. Das vermehrte Fettgewebe endet vor den Knöcheln bzw. Handgelenken. Am Übergang zwischen dem Lipödem und den Händen oder Füßen kann ein sogenannter „Fettkragen“ auffallen.
- Auffällig ist das Missverhältnis zwischen Ihrem schlanken Oberkörper und Ihrer voluminöseren unteren Körperhälfte mit deutlich voneinander abweichenden Kleidergrößen – unabhängig davon, ob Sie übergewichtig oder schlank sind. Diese Disproportion lässt sich selbst von strikten Diäten und viel Sport kaum „beeindrucken“.
- Es ist möglich, dass eine Gewichtsreduktion die bestehende Unproportionalität sogar verstärkt. Normalerweise lagert ein Mensch, der zu viele Kalorien zu sich nimmt, Fett am ganzen Körper gleichmäßig ein. Nimmt er wieder ab, kommt es entsprechend zu einer gleichmäßigen Fettreduktion. Bei einem Lipödem dagegen werden überschüssige Kalorien bevorzugt in den Fettdepots des Lipödems gespeichert. Bei einer Diät wird das Fett aber dort nicht wieder im selben Verhältnis reduziert.
- Bei einem Lipödem erhöht sich durch die Volumenvergrößerung des Fettgewebes und die Flüssigkeitseinlagerung der Druck im Gewebe, und Schwellungen treten auf. Sie leiden unter Spannungsschmerzen in den Beinen, und langes Gehen, Stehen und Sitzen fällt Ihnen schwer. Ein Hochlagern der Beine bringt keine nennenswerte Verbesserung.
- Die Beschwerden verstärken sich im Laufe des Tages als Folge zunehmender Flüssigkeitseinlagerung, insbesondere bei warmem Wetter. Darüber hinaus geben viele betroffene Frauen an, dass die Schmerzsymptome in den Tagen vor der Monatsblutung besonders ausgeprägt sind.
- Selbst leichte Berührungen an den Beinen verursachen Ihnen Schmerzen. Wenn Sie an den betroffenen Körperstellen leicht in die Haut kneifen, treten dabei unverhältnismäßige Schmerzen auf, nicht dagegen beim Kneifen am Bauch oder Rücken. An der Außenseite des Oberschenkels sind Sie schmerzempfindlicher als an der Innenseite. Im fortgeschrittenen Stadium verursachen bereits enger anliegende Kleidungsstücke Schmerzen.
- Sie empfinden Spontanschmerzen in den Beinen. Die Schmerzen werden oft als dumpf, drückend und „schwer“ beschrieben.
- Die Schmerzintensität steht nicht im Zusammenhang mit der Menge des Fettgewebes, sondern mit dem Ausmaß der Flüssigkeitseinlagerung. Auch ein mäßig ausgeprägtes Lipödem kann deutliche Schmerzen verursachen.
- Schon kaum spürbare Stöße rufen bei Ihnen blaue Flecke hervor. Dies wird durch eine erhöhte Brüchigkeit der Blutkapillaren verursacht. Auch die Neigung zu Besenreisern, also sichtbar erweiterten Kapillaren in der Haut, gilt als Anzeichen für ein Lipödem.
- Die Struktur Ihrer Haut fühlt sich im Vergleich zur Haut an Bauch und Rücken knotig an, so als befänden sich kleine Styroporkügelchen unter ihr. Bei einem fortgeschrittenen Lipödem können diese Kügelchen die Größe einer Walnuss erreichen. Wenn deutliche Knoten zu spüren sind, weist das Gewebe Dellen auf. In späteren Stadien können regelrechte Wülste auftreten.
Bei Verdacht auf Lipödem Arzt konsultieren
Ihre richtigen Ansprechpartner für die Diagnose sind Fachärztinnen und Fachärzte für Phlebologie (Venenerkrankungen), Angiologie (Gefäßerkrankungen) oder Lymphologie. Der Sicht- und Tastbefund sowie die individuelle Patientengeschichte dienen einem erfahrenen Facharzt als verlässliche Kriterien, um ein Lipödem erkennen zu können. Labor- oder bildgebende Untersuchungen, mit denen die Erkrankung zweifelsfrei festgestellt werden kann, gibt es nicht. Bildgebende Diagnosetechniken wie Ultraschall können jedoch zuweilen hilfreich sein, um das Lipödem gegen andere Erkrankungen abzugrenzen.
Ärztliche Diagnose Lipödem
Da verschiedene Erkrankungen wie Adipositas oder andere Fettverteilungsstörungen ähnliche Symptome verursachen können, liegt der Schwerpunkt bei der Diagnosestellung des Lipödems auf einer sorgfältigen Abgrenzung, denn nur wenn das Lipödem eindeutig von anderen Ursachen für Schwellungen oder Schmerzen unterschieden wird, kann die passende Therapie erfolgen.
Wenn beispielsweise das Unterhautfettgewebe an den Beinen vermehrt ist, aber nicht typische Merkmale eines Lipödems vorliegen, spricht man medizinisch von einer Lipohypertrophie. Im Unterschied zum Lipödem handelt es sich dabei aber um ein rein ästhetisches Problem. Allerdings kann eine Lipohypertrophie mitunter Vorstufe eines Lipödems sein.
Nicht immer einfach ist die Abgrenzung zu Übergewichtigkeit und Adipositas. Klarheit bringt eine Diät. Bleibt trotz Gewichtsabnahme das Missverhältnis zwischen den unteren Extremitäten und dem Rumpf bestehen, weist das auf ein Lipödem hin.
An Händen und Füßen gibt es zudem kein Lipödem. Das ist für die Differentialdiagnose zwischen Lipödem und Lymphödem entscheidend. Hier ist der sogenannte Stemmer-Test sehr aussagekräftig: Man greift die Haut am zweiten Zeh und versucht, diese anzuheben. Bei einem Lipödem sollte das möglich sein (Stemmer-Zeichen negativ). Bei einem Lymphödem funktioniert dies dagegen meist nicht (Stemmer-Zeichen positiv).
Lipödem versus Lipohypertrophie
Die Lipohypertrophie wird im Gegensatz zum Lipödem nicht als Erkrankung angesehen und deshalb auch „das dicke Bein der gesunden Frau“ genannt. Aus einer Lipohypertrophie kann sich allerdings ein Lipödem entwickeln, und sie ist im Erscheinungsbild einem Lipödem sehr ähnlich:
Das Fett verteilt sich bei der Lipohypertrophie wie bei einem Lipödem symmetrisch, ist diätresistent, und die Körperform erscheint disproportioniert. Auch kann eine erhöhte Hämatomneigung vorliegen. Dagegen fehlen bei einer Lipohypertrophie grundsätzlich die Schmerzhaftigkeit und die Neigung zur Einlagerung von Flüssigkeit in der zweiten Tageshälfte.
Lipödem versus Adipositas
Bei einer Adipositas beruht die übermäßige Vermehrung des Fettgewebes auf einer Ernährungs- und Stoffwechselkrankheit mit starkem Übergewicht. Ein Lipödem lässt sich von einer Adipositas sehr gut abgrenzen. Bei einer Adipositas stimmt die Proportion zwischen Rumpf und Extremitäten weitestgehend, oder das Körperfett konzentriert sich auf die Körpermitte um Bauch und Po. Adipöse Fettdepots sind mit viel Bewegung und gesunder Ernährung in den Griff zu bekommen. Die Fettvermehrung beim Lipödem bleibt aber nahezu unverändert, wenn man Gewicht reduziert. Man verliert Fettvolumen an den Stellen, die nicht von der Erkrankung betroffen sind, jedoch nicht an den Lipödem-Zonen.
Lipödem versus Lymphödem
Ein Lymphödem beginnt meist mit einer einseitigen Beinschwellung. Diese zeigt sich zunächst am Unterschenkel und erfasst erst später den Oberschenkel. Nach einiger Zeit schwillt auch das zweite Bein an. Das Lymphödem greift auch regelmäßig auf den Fußrücken über, das Lipödem dagegen nicht. Auch die Schmerzempfindlichkeit bei Druck und die Neigung zu Blutergüssen fehlen beim Lymphödem.
Trotz der genannten Unterscheidungsmerkmale mit großer Aussagekraft wird bei einem Lipödem nicht selten die Fehldiagnose Lymphödem gestellt. Der Differentialdiagnose zwischen einem Lipödem und einem Lymphödem dient das sogenannte Stemmer-Zeichen. Lässt sich die Haut am Rücken der zweiten oder dritten Zehe mit Daumen und Zeigefinger nicht oder nur sehr schwer (infolge der Verhärtung des Gewebes) abheben oder fälteln, liegt ein Lymphödem vor. Wenn sich eine Hautfalte abheben lässt, deutet das auf ein Lipödem hin. Außerdem weisen vertiefte natürliche Hautfalten an den Gelenken, Schwellungen an Fuß- und Handrücken sowie eine pralle Haut auf ein Lymphödem hin.
Bei einem fortgeschrittenen Lipödem kann sich ein sekundäres Lymphödem manifestieren. Diese Mischform der zuvor beschriebenen Krankheitsbilder bezeichnet man als Lip-Lymphödem. Die Fettzellen sind im Bindegewebe verankert und von feinsten Lymph- und Blutgefäßen umgeben. Wenn durch die extreme Vergrößerung des Fettvolumens die Lymphgefäße schleichend zugedrückt werden, kann die Lymphflüssigkeit nur noch bedingt abtransportiert werden, und eine lymphatische Schwellung entsteht.
Lipödem Stadium 1 bis 3
Das Lipödem neigt zu einer chronischen Progredienz, das heißt, die Krankheit schreitet kontinuierlich fort. Der Verlauf zeigt sich allerdings sehr unterschiedlich und ist im Einzelfall nicht vorhersagbar. Bei manchen Frauen kommt es zu einer Zunahme des Fettgewebes bis zu einer bestimmten Ausprägung, und dann verharrt das Lipödem in diesem Status lebenslang. Bei anderen nimmt die Schwere der Krankheit, wenn sie nicht behandelt wird, immer weiter zu. Auch schubartige Verläufe mit einem Wechsel von konstanten und progredienten Zeiträumen sind möglich.
Der Schweregrad des Lipödems wird in drei Stadien eingeteilt. Diese gängige Form der Einteilung in Schweregrade erfolgt anhand der sichtbaren Hautoberfläche sowie eines Tastbefunds und korreliert nicht zwangsläufig mit dem Ausmaß der klinischen Symptome wie Berührungs- und Spontanschmerzen. Die einzelnen Grade der Erkrankung gehen fließend ineinander über, was Jahre in Anspruch nehmen kann. Der Prozess kann sich jedoch beschleunigen, wenn die Patientin hormonellen Schwankungen, etwa während der Pubertät, Schwangerschaft oder Menopause, ausgesetzt ist oder ihr Gewicht sich stark verändert.
Lipödem Stadium 1
Es besteht ein Missverhältnis zwischen Rumpf und Extremitäten. Das mäßig verdickte Fettgewebe unter der Haut hat eine feinknotige Struktur und ist gleichmäßig verteilt. Die Hautoberfläche ist eben. Wird die Haut zusammen mit dem Unterhautfettgewebe beim Pinch-Test zusammengeschoben, zeigt sich eine Orangenhauttextur.
Lipödem Stadium 2
Das Unterhautfettgewebe ist stärker verdickt, fühlt sich aber noch weich an. An der unebenen, welligen Hautoberfläche zeigen sich großen Dellen und Knoten. Dieses Erscheinungsbild nennt man „Matratzenhaut“.
Lipödem Stadium 3
Das stark verdickte und verhärtete Fettgewebe bildet Überhänge und Furchen, vor allem an den Innenseiten der Oberschenkel und an den Knien. Es zeigt sich eine sehr unebene Hautoberfläche mit großen Hautfettwülsten, die zu einer Behinderung beim Gehen führen können. Die Ausbildung von Hautfettlappen wird als „Wammenbildung“ bezeichnet.
FAQs
Welcher Arzt kann ein Lipödem diagnostizieren?
Für die Diagnostik und Therapieplanung sollten sich Betroffene möglichst an eine Spezialistin oder einen Spezialisten für Phlebologie (Venenerkrankungen) oder Angiologie Gefäßerkrankungen) oder an einen Lymphspezialisten wenden.
Wie unterscheidet ein Arzt zwischen einem Lipödem und der Lipohypertrophie, einer Fettverteilungsstörung ohne Krankheitswert?
Charakteristisch sowohl für ein Lipödem als auch für die Lipohypertrophie ist eine Fettverteilungsstörung an den Beinen. Bei der Lipohypertrophie gibt es aber keine Ödeme im Gewebe, weshalb hier normalerweise keine Druck- und Spontanschmerzen vorkommen. Aus der Lipohypertrophie kann sich aber ein Lipödem mit Beschwerden entwickeln.
Wie lassen sich Lipödem und Übergewicht abgrenzen?
Wenn Sie „nur“ übergewichtig sind oder unter einer Adipositas leiden, haben Sie keine Schmerzen. Die Fettvermehrung ist eher gleichmäßig, es liegt kein Missverhältnis zwischen der oberen und der unteren Körperhälfte vor. Es gibt aber Mischformen von Adipositas und Lipödem. Das Übergewicht kann das Lipödem dann verstärken.
Wie unterscheidet sich ein Lipödem von einem Lymphödem?
Lipödem und Lymphödem führen zu ähnlichen Symptomen. Ein wesentliches Lipödem Anzeichen zur Abgrenzung von einem Lymphödem ist ein negativer Stemmer-Test. Mit diesem Test wird geprüft, ob sich die Haut auf prall geschwollenen Zehen anheben lässt. Lässt sich die Haut nicht anheben, ist der Stemmer-Test positiv, und es liegt ein Lymphödem vor.


