Zur konservativen Behandlung der Fettverteilungsstörung Lipödem werden vor allem Kompressionstherapie mit maßgefertigten Strümpfen und manuelle Lymphdrainagen eingesetzt, um Schmerzen, Schwellungen und Spannungsgefühle zu lindern. Ergänzend können Bewegungstherapie und gelenkschonende Sportarten wie Schwimmen oder Radfahren die Mobilität verbessern und Beschwerden reduzieren. Auch eine begleitende Ernährungsberatung kann das allgemeine Wohlbefinden unterstützen.
Maßnahmen wie Kompression, Lymphdrainage oder Bewegung können allerdings nur die Beschwerden eines Lipödems lindern – sie haben keinen Einfluss auf die krankhaft vermehrten Fettzellen. Da die Ursache des Lipödems im gestörten Fettgewebe selbst liegt, können diese Methoden auch das Fortschreiten der Erkrankung nicht verhindern. Eine nachhaltige und effektive Behandlung ist daher nur durch die Entfernung des krankhaften Fettgewebes im Rahmen einer Lipödem OP möglich.
Lipödem: Verlauf ohne Behandlung
Der Verlauf der Erkrankung lässt sich im Einzelfall nicht vorhersagen. Das Lipödem kann sich schnell verschlimmern, ohne dass ein erkennbarer Grund vorliegt. Der Befund kann sich aber auch über viele Jahre hinweg nicht verändern.
Einfluss des Gewichts auf den Verlauf
Eine Gewichtszunahme beeinflusst den Verlauf der Fettgewebserkrankung Lipödem negativ. Normalerweise lagert ein Mensch, wenn er zu viele Kalorien zu sich nimmt, das überschüssige Fett gleichmäßig am Körper ein. Nimmt er wieder ab, geschieht das wieder gleichmäßig am ganzen Körper. Bei einem Lipödem werden ca. 80 Prozent der überschüssigen Kalorien im betroffenen Gebiet gespeichert. Beim Abnehmen hingegen werden 80 Prozent des Fetts im nicht betroffenen Gebiet reduziert. Dadurch wird die schon bestehende Disproportion zwischen Oberkörper und Unterkörper weiter verstärkt.
Gelenkverschleiß
Bei starker Ausprägung des Lipödems bilden sich Fettwülste, sogenannte Wammen, an den Innenseiten der Oberschenkel. Durch das Abspreizen der Beine bewirkt dies eine Fehlstellung der Beinachsen und eine Fehlbelastung der Gelenke. Als Langzeitfolge kann ein Lipödem zu einem veränderten Gangbild und zu vorzeitigem Gelenkverschleiß führen.
Schädigungen des Lymphgefäßsystems
Besteht ein Lipödem über Jahre, kann sich durch das bestehende Ödem eine Schädigung des Lymphgefäßsystems entwickeln. Dann entsteht aus dem Lipödem ein sogenanntes Lipo-Lymphödem. Klinisch wird dann das eigentlich eher weiche Gewebe zunehmend hart. Ferner zeigt sich das Lipo-Lymphödem in einer zusätzlichen Schwellung im Fußbereich. Die dortige Haut wird dicker und weist eine vermehrte Fältelung auf, sodass sie sich nicht mehr leicht mit dem Finger abheben lässt. Dieses für das Lymphödem typische Symptom nennt man „positives Stemmer-Zeichen“.
In den letzten Jahren wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass Frauen mit Lipödem noch mehr unter der psychischen Beeinträchtigung leiden als unter den körperlichen Einschränkungen. Behandlungsbedürftige Depressionen sind bei betroffenen Frauen sehr häufig.
Konservative Lipödem Behandlung
Ursächlich heilen lässt sich das Lipödem nicht. Wie wissenschaftliche Studien belegen, korreliert die Zunahme eines Lipödems im Laufe der Jahre mit der Zunahme des Körpergewichts. Deshalb ist es grundsätzlich wichtig, dass übergewichtige Frauen abnehmen und normalgewichtige ihr Gewicht halten. Bewegung, körperliche Aktivität und Sport sind elementar, um die Zunahme des Lipödems einzudämmen, weil dabei Kalorien verbraucht werden.
Das Ziel konservativer (nichtoperativer) medizinischer Maßnahmen ist, die Symptome zu bessern und eine weitere Zunahme der Fettansammlungen zu verhindern. Ein Grundbaustein ist dabei die Kompressionstherapie. Sie verzögert oder stoppt die Zunahme des Lipödems und lindert die Beschwerden. Auch die regelmäßige Lymphdrainage ist ein fester Bestandteil des konservativen Therapiekonzepts.
Bei frühzeitigem Beginn und konsequenter Durchführung kann man mit Gewichtsreduktion bzw. -kontrolle, Kompressions- und Bewegungstherapie sowie Lymphdrainage die Fettvermehrung „abbremsen“ und Spätkomplikationen wie Lipo-Lymphödeme oder Gangbildstörungen verhindern. Das Lipödem selbst reduzieren können diese Behandlungsmaßnahmen allerdings nicht.
- Ernährung: Eine gesunde Ernährung kann das allgemeine Wohlbefinden fördern, Wassereinlagerungen günstig beeinflussen und eine zusätzliche Gewichtszunahme verhindern. Das krankhafte Lipödem-Fett reagiert jedoch nicht auf Kalorienreduktion – es lässt sich ausschließlich durch eine operative Fettabsaugung dauerhaft entfernen.
- Manuelle Lymphdrainage: Die Lymphdrainage regt den Abtransport von Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe an. Das kann das Spannungs- und Schweregefühl in den Beinen reduzieren und Wassereinlagerungen (Ödeme) vorübergehend lindern. Sie hat jedoch keinen Einfluss auf die krankhaften Fettzellen.
- Physiotherapie zur Unterstützung: Gezielte physiotherapeutische Übungen fördern die Beweglichkeit, verbessern die Durchblutung und entlasten die Gelenke. Das reduziert die Beschwerden und steigert die körperliche Belastbarkeit.
- Kompressionskleidung: Das Tragen von Kompressionswäsche stabilisiert das Gewebe, mindert Schmerzen und verhindert, dass sich zusätzliche Flüssigkeit im Gewebe einlagert. Dauerhaft beseitigen lässt sich das Lipödem jedoch auch dadurch nicht.
- Sport: Regelmäßige Bewegung – insbesondere gelenkschonender Ausdauersport wie Schwimmen oder Radfahren – kann Schmerzen lindern, die Muskeln stärken und das Lymphsystem unterstützen. Auch hier gilt: Das Lipödem-Fett selbst wird dadurch nicht reduziert.
Effektive Lipödem Behandlung: Liposuktion
Die einzige Möglichkeit, krankhaft vermehrtes Unterhautfettgewebe zu reduzieren und damit den Befund an sich und die damit verbundenen Symptome effektiv zu therapieren, ist die Lipödem OP. Eine sogenannte Liposuktion bei Lipödem ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem das krankhaft vermehrte Fettgewebe mit speziellen Kanülen dauerhaft abgesaugt wird. Dadurch lassen sich Schmerzen, Druckgefühle und Bewegungseinschränkungen deutlich reduzieren. Ziel ist es, die Lebensqualität zu verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung nachhaltig zu unterbinden.
FAQs
Kann ein Lipödem geheilt werden?
Die krankhafte Fettverteilungsstörung ist zwar nicht heilbar, tritt aber an den Arealen, die bei einer Lipödem OP gründlich abgesaugt wurden, nicht mehr auf. Das wiederum bedeutet: In anderen Regionen kann ein Lipödem künftig durchaus ebenfalls ein Problem werden. Ein Absaugen an den Beinen verhindert nicht, dass ein Lipödem in Zukunft auch an den Armen auftritt oder sich verschlechtert.
An welchen Arzt sollte ich mich für eine Liposuktion wenden?
Für die operative Therapie eines Lipödems sollten Sie einen Plastischen Chirurgen aufsuchen, der über besondere Erfahrungen in der Lipödem Behandlung durch Liposuktion bzw. Megaliposuktion verfügt und in einer Belegklinik eine kurzstationäre Überwachung gewährleisten kann.
Kann ich mein Lipödem auch nichtoperativ behandeln lassen?
Konsequentes Tragen von Kompressionsbekleidung und regelmäßige Lymphdrainage können verhindern, dass die Erkrankung fortschreitet, sie erreichen aber keine wirkliche Besserung. Nur eine Liposuktion „heilt“ das Lipödem an den Stellen, die abgesaugt werden. Bei bestimmten Vorerkrankungen oder einer schlechten Konstitution ist allerdings eine Liposuktion unter Umständen nicht ratsam.
Sind als Vorbereitung der Fettabsaugung eine konsequente Kompressionstherapie und Lymphdrainage erforderlich?
Nach der Einschätzung unserer Fachärzte sind diese Maßnahmen zur Vorbereitung auf die OP nicht zwingend notwendig.
Ist auch nach einer Lipödem OP die konservative Behandlung weiter erforderlich?
Nach der Erfahrung unserer Fachärzte wird der Behandlungsbedarf bei unseren Lipödem-Patientinnensehr viel geringer. Oft ist das Tragen von Kompressionsbekleidung überhaupt nicht mehr erforderlich.


