Es sind weniger die Falten, sondern mehr die Konturveränderungen, die ein Gesicht alt wirken lassen. Die V-Form eines jugendlich-glatten Gesichts – vergleichbar mit einem auf seiner Spitze stehenden Dreieck – geht verloren. Durch hohle Wangen und Hängebäckchen kann sich die V-Form sogar umdrehen. Wegweisende Fortschritte im Verständnis von Alterungsprozessen und der funktionellen Anatomie des Gesichts, aber auch verbesserte Füllmaterialien ermöglichen heute eine sanfte, natürlich wirkende Gesichtsverjüngung ohne Operation.
Das Produkt mit dem Handelsnamen Radiesse® ist eine solche injizierbare, synthetische Füllsubstanz. Es enthält Mikrokügelchen aus Calcium-Hydroxylapatit, das auch die natürliche Kollagenproduktion anregt. Eine Injektionsbehandlung mit einem Volumen-Filler korrigiert tiefe Falten, baut Wangen auf und modelliert Konturen wie die Kiefer-Kinn-Linie, die sogenannte Jawline. Das Besondere des Fillers Radiesse®: Dank des Calcium-Hydroxylapatits wird die Haut zudem glatter und straffer. Im Laufe der Zeit baut sich die Füllsubstanz langsam ab, während das neu gebildete Kollagen weiterhin für straffe und jugendliche Haut sorgt.
Auch eine minimalinvasive Filler-Behandlung ist allerdings eine ernstzunehmende medizinische Behandlung, die ohne fachkundige Diagnostik, Beratung und Umsetzung ein gesundheitliches Risiko darstellt. Sie gehört in die Hände erfahrener Fachärzte mit detailliertem anatomischem Wissen sowie Kenntnissen über die notwendige Hygiene und die richtigen Injektionstechniken. Nur so lässt sich mit der unkomplizierten Behandlung ein überzeugendes Ergebnis erzielen.
Wie wirkt Radiesse®?
Die Füllsubstanz Radiesse® enthält neben dem Trägergel auch Mikrokügelchen aus Calcium-Hydroxylapatit (CaHA), einem natürlichen Bestandteil des menschlichen Knochens und der Zähne. Diese sogenannten Mikrosphären sind in einem wasserbasierten Trägergel suspendiert. Unter einer Suspension versteht man ein Gemisch aus einem fein verteilten Feststoff in einer Flüssigkeit. Der Feststoff löst sich dabei nicht in der Flüssigkeit auf, wie es bei einem Salz in Wasser der Fall ist. Optisch ähnelt das Material aufgrund der weißen Eigenfarbe und der Konsistenz einer Zahnpasta. Die Mikrosphären können eine gewisse Zeit in Röntgen- und MRT-Aufnahmen sichtbar sein.
Das elastische Trägergel hat einen volumengebenden Soforteffekt. Die Mikrosphären wirken als Biostimulator und fördern die körpereigene Kollagenbildung; die Verbesserung des Hautbilds zeigt sich nach mehreren Wochen. Radiesse® wurde durch wissenschaftliche Studien auf Sicherheit und Wirksamkeit getestet. Das Produkt besitzt eine CE-Zertifizierung der Europäischen Union und wurde darüber hinaus von der amerikanischen Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) zugelassen.
Radiesse®, Hyaluron-Präparate oder Sculptra® – was sind die Unterschiede?
Hyaluronsäure bindet vor allem Feuchtigkeit, wirkt eher oberflächlich bis mitteltief und lässt sich mit dem Enzym Hyaluronidase wieder auflösen. Radiesse® bringt mehr Struktur und regt zusätzlich Kollagen an – dafür gibt es kein Enzym, das es auflöst. Das ist ein Grund mehr für eine präzise, fachärztliche Injektion. Sculptra® (Poly-L-Milchsäure) ist ebenfalls ein Biostimulator, arbeitet aber über eine leichte Entzündungsreaktion, hat kaum Soforteffekt und baut sich über mehrere Sitzungen und Monate auf. Radiesse® wirkt dagegen sofort und ohne diesen Reiz.
Für welche Regionen eignet sich Radiesse®?
Radiesse® mit Calcium-Hydroxylapatit-Mikrosphären ist vielseitig einsetzbar. Der Anwendungsbereich überschneidet sich mit Hyaluron-Fillern und Sculptra®. Die Injektion muss aber tiefer im Gewebe erfolgen und sollte nur von erfahrenen Fachärzten für Plastische Chirurgie oder Dermatologie angeboten werden. Häufige Injektionsorte sind:
- Schläfen und Jochbeinregion: Volumen am Jochbein verstärkt die „V“-Form des Gesichts und sorgt für ein jugendliches Aussehen.
- Hohlwangen: Mit einem Wangenaufbau lassen sich Hängebäckchen kaschieren.
- Nasolabialfalten: Störende Falten zwischen Nase und Mundwinkel lassen sich reduzieren.
- Marionettenfalten und hängende Mundwinkel: Durch das Auffüllen von Falten, die von den Mundwinkeln nach unten verlaufen, verschwindet ein trauriger oder sorgenvoller Gesichtsausdruck.
- Kinnfalte und zu kleines Kinn: Eine häufig bei Männern prägnante Kinnfalte kann geglättet, ein zu kleines („fliehendes“) Kinn prägnanter modelliert werden.
- Kiefer-Kinn-Linie (Jawline): Besonders effektiv ist die Konturierung des Unterkiefers. Dadurch wirken die Gesichtszüge markanter.
- Nasenrücken/Nasenprofil: Kleine Unebenheiten am Nasenrücken können aufgefüllt werden.
- Handrücken: Wenn Hände altern, treten Venen und Sehnen stärker hervor. Calcium-Hydroxylapatit ist lichtundurchlässig und kann die sich abzeichnenden Strukturen abdecken.
- Hals und Dekolleté: Eine oberflächliche Injektion mit Radiesse® in verdünnter Form wirkt als Biostimulator für eine bessere Hautqualität, ohne – hier unerwünschtes – Volumen aufzubauen.
Radiesse® eignet sich also für Patientinnen und Patienten, die kein operatives Facelifting, aber dennoch eine Gesichtsverjüngung wünschen. Die Ergebnisse sind dezent und natürlich, da der Filler sich sanft in das Hautgewebe integriert. Besonders geeignet ist er für Gesichtsbereiche, die erheblichen Volumenverlust aufweisen bzw. besser definiert werden sollen. Auch nach einem massiven Gewichtsverlust, der praktisch immer auch Auswirkungen auf das Gesicht, die Konturen und die Faltentiefe hat (Stichwort: Diet Face), ist Radiesse® gut einsetzbar. Neben der ästhetisch indizierten Verwendung gibt es bei der HIV-assoziierten Lipodystrophie eine medizinisch indizierte.
Nebenwirkungen und Behandlungsfehler: Was ist normal, was vermeidbar?
Gute Behandlungsergebnisse zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht auffällig sind! Aufgedunsene Gesichter, auch „Puffy Faces“ genannt, tauchen immer wieder in der Boulevardpresse auf und schrecken viele von einer Filler-Behandlung ab – und das ist nachvollziehbar. Doch solche schlechten Erfahrungen sind fast immer anwenderbedingt, denn das ästhetische Ergebnis hängt ganz wesentlich von der Erfahrung und dem Vorgehen des behandelnden Arztes ab:
- Sichtbare Asymmetrien entstehen durch eine ungleiche Injektion von zu viel oder zu wenig Material.
- Eine zu oberflächliche Injektion muss unbedingt vermieden werden, da das weißliche Material durchscheinen und zu unregelmäßigen Konturen führen kann.
- Tastbare Knoten sind das Ergebnis von Materialanhäufung oder falscher Platzierung des Fillers.
Rötung, eine leichte Schwellung oder ein kleiner Bluterguss an der Einstichstelle sind dagegen völlig normal und klingen meist innerhalb weniger Tage ab. Weil sich Radiesse® nicht wie Hyaluron auflösen lässt, ist eine saubere Platzierung hier besonders wichtig. In den richtigen Händen ist die Behandlung unkompliziert und sozusagen in der Mittagspause möglich – fundierte Facharztkompetenz, anatomisches Wissen und die richtige Injektionstechnik vorausgesetzt.
Fazit: Was macht Radiesse® als Volumen-Filler besonders?
Der Vorteil von Radiesse® liegt in der doppelten Wirkung: Die sofortige Faltenunterspritzung und Gesichtsmodellierung wird durch die langfristige Verbesserung der Hautstruktur ergänzt. Ermöglicht wird dies durch die produktspezifischen Eigenschaften des Volumen-Fillers:
- Hohe Elastizität: Man benötigt weniger Volumen für den gleichen Hebeeffekt.
- Hohe Viskosität: Der Filler bleibt an Ort und Stelle und breitet sich nicht ins umgebende Gewebe aus – ein Vorteil bei größeren Volumenauffüllungen und stark bewegten Arealen.
- Optimale Modellierbarkeit: Es lassen sich weiche Übergänge zwischen behandeltem und unbehandeltem Bereich erzielen.
- Biostimulation: Die Aktivierung körpereigener Prozesse führt zu einer verbesserten Hautqualität.
Für unsere Praxis ist die Unterspritzung einzelner Falten weitestgehend überholt. Der medizinische Fortschritt hat unser Verständnis der Gesichtsalterung erweitert: Störende Falten entwickeln sich weniger durch Veränderungen der Haut selbst als vielmehr durch Volumenverluste in tieferen Geweben.
FAQ
Wie viel Radiesse® braucht man für eine Behandlung?
Eine Spritze enthält in der Regel 1,5 ml. Wie viel im Einzelfall nötig ist, hängt vom Ausmaß des Volumenverlusts und von der behandelten Region ab; häufig genügt eine Spritze pro Areal, bei stärkerem Defizit wird über mehrere Sitzungen im Abstand einiger Wochen aufgebaut.
Wie läuft die Radiesse®-Behandlung ab?
Die Injektionsbehandlung beginnt mit der Desinfektion des Anwendungsbereichs und dem Auftragen einer Betäubungscreme. Zusätzlich enthält der Filler ein örtliches Betäubungsmittel. Sie spüren lediglich leichte „Piekser“. Nach der Injektion massiert Ihr Facharzt den Anwendungsbereich, um den Filler gleichmäßig im Gewebe zu verteilen. Der volumengebende Effekt ist bei Radiesse sofort sichtbar.
Was muss ich nach der Behandlung beachten?
Nach einer abschließenden Kühlung können Sie in Ihren Alltag zurückkehren. In den ersten Stunden nach der Behandlung sollten Sie auf extreme Gesichtsbewegungen verzichten. Schlafen Sie – wenn möglich – in den ersten Tagen nicht auf dem Bauch oder auf der Seite. In der ersten Woche nach der Behandlung sollten Sie auf sportliche Aktivitäten und Saunabesuche verzichten.
Wie lange hält das Ergebnis?
Hydroxylapatit wird langsamer abgebaut als andere Filler und deshalb als semipermanent eingeordnet. Semipermanente Substanzen werden zwar per se abgebaut, führen aber durch sekundäre Effekte wie Proliferation (Vermehrung) von Bindegewebe und Produktion von Kollagen zu länger anhaltender Verbesserung. Die Wirkung einer Radiesse®-Behandlung kann bis zu zwei Jahre anhalten.
Für wen ist Radiesse® nicht geeignet?
Bei einer bekannten Unverträglichkeit gegen Bestandteile, bei aktiven Autoimmunerkrankungen, bei einer Entzündung im geplanten Areal sowie in Schwangerschaft und Stillzeit wird von einer Behandlung abgeraten.



